Glossar

Kniescheibe (Patella)

MPFL Plastik

Instabilität und Schmerzsyndrome der Kniescheibe können massive Beeinträchtigungen der Lebensqualität und der sportlichen Leistungsfähigkeit verursachen.

Die verbreitesten Beschwerden an der Kniescheibe sind Instabilität (Kniescheibenverrenkung) und Schmerzsyndrome rund um die Kniescheibe. Beide Krankheitsbilder können mannigfaltige Ursachen haben, die oftmals auch kniegelenksfern zu finden sind.

Patellaluxation

Bei dieser Instabilität der Kniescheibe springt die Kniescheibe aus ihrer Führung (Luxation). Man unterscheidet zwischen der akuten und der chronischen rezidivierenden Form. Insbesondere der ständig wiederkehrenden Form liegen oft mehrere begünstigende, oftmals angeborene Riskiofaktoren zugrunde. Diese Risikofaktoren müssen vom behandelnden Arzt unbedingt erkannt und analysiert werden, um die richtige Behandlungsform wählen zu können.

Im Rahmen der erstmaligen Patellaluxation reißt zumeist das stabilisierende innere Halteband der Kniescheibe (MPFL: mediales patellofemorales Ligament). Dadurch ist nach einmalig erfolgter Verrenkung der Kniescheibe die Gefahr einer erneuten Luxation deutlich erhöht. Folgen der Kniescheibeninstabilität sind oftmals große Angst vor erneuten Verrenkungen mit entsprechender Unsicherheit im Alltag und eingeschränktem Sport- und Aktivitätsniveau. Außerdem leidet der Knorpel des Gelenkes häufig stark unter den Luxationen, was in weiterer Folge zu vorzeitiger Abnutzung (Arthrose) und Schmerzen führt.

Behandlung der instabilen Kniescheibe

In den letzten Jahren sind große Fortschritte in der Erforschung des Kniescheibengelenkes erzielt worden. So wurden auch lange Zeit durchgeführte Therapie- bzw. Operationsmethoden durch neue, teils minimalinvasive Methoden ersetzt. Ziel der modernen Kniescheibenchirurgie ist es, nicht jeden Patienten mit dem gleichen Operationsverfahren zu behandeln, sondern die individuellen, auslösenden Faktoren zu adressieren.

In einigen Fällen kann die Therapie konservativ (nicht operativ) mit Physiotherapie und stabilisierender Orthese erfolgreich durchgeführt werden. Unbedingt operiert werden muss das Kniegelenk, wenn es durch die Verrenkung zu losen Abscherfragmenten des Knochens und Knorpels gekommen ist. Je nach Größe müssen diese entfernt oder refixiert werden. Abhängig von der Ausgangssituation kann im Ramen des Eingriffes eine gleichzeitige Refixierung des ausgerissenen Haltebandes, oder eine erweiterte Stabilisierungsoperation durchgeführt werden.

Auch bei wiederholten Luxationen ist eine operative Verfahrensweise meist nicht zu verhindern. Vor der Operation muss eine genaue Analyse der individuellen Risikofaktoren durchgeführt werden. Je nach Ausprägung und Anzahl der Faktoren, die zur Instabilität führen, kommen minimal-invasive Operationsformen (MPFL Plastik, anatomische Rekonstruktion des medialen Haltebandes mit einer körpereigenen Sehne) bis hin zur Schaffung eines neuen Kniescheibengleitlagers (Trochleaplastik), Beinachsenkorrekturen, Versatz des Patellasehnenansatzes (Operation nach Elmslie) und kombinierte Eingriffe zur Anwendung.

Knorpelschaden im Kniescheibengelenk

Wie auch an allen anderen Gelenken ist zwischen großflächigen (Arthrose) und lokal begrenzten Knorpelschädigungen des Kniescheibengleitlagers und der Kniescheibenrückfläche zu unterscheiden. In beiden Fällen ist nicht unbedingt eine operative Verfahrensweise notwendig. Zumeist ist es ratsam in erster Instanz konservativ (nicht operativ) zu verfahren. Hierbei kommen Physiotherapie, gegebenenfalls Injektionen mit entzündungshemmenden oder chondroprotektiven Substanzen und Bandagen bzw. Orthesen zur Anwendung.

Bei fehlgeschlagenen konservativen Therapien, starken Einschränkungen und Schmerzen wird manchmal doch eine Operation notwendig. Auch im Kniescheibengelenk können bei kleineren Knorpelschäden gelenkerhaltende Knorpeleingriffe angewendet werden. Voraussetzung für einen Knorpeleingriff ist eine gute Zentrierung der Kniescheibe im Gleitlager.

Großflächige Knorpelabnutzungen (Arthrose) im Bereich des Kniescheibengelenkes können bei starken, therapieresistenten Beschwerden mit einem isolierten, künstlichen Gleitflächenersatz behandelt werden.

Nach allen Operationen an der Kniescheibe ist eine intensive Physiotherapie wichtig, da das Kniescheibengelenk sehr empfindlich auf funktionelle Defizite und muskuläre Dysbalancen reagiert. Unsere Physiotherapeuten im medzentrum23 stehen Ihnen dabei gerne zur Verfügung.

Schmerzhaftes Kniescheibenglenk

Schmerzen im vorderen Kniebereich können verschiedenste Ursachen haben. Nicht immer liegen diese im Bereich des Kniescheibengelenkes selbst. Häufig sind funktionelle Einschränkungen und muskuläre Dysbalancen im Bereich der Rücken- oder Beckenmuskulatur beziehungsweise Probleme im Bereich der Hüftgelenke verantwortlich. Statische Fehlbelastungen und abnorme Spannungen einzelner Muskelgruppen führen dabei oftmals zu Überlastungen von Sehnenansätze und hartnäckigen Schmerzen. Diese Schmerzen werden tückischer Weise primär häufig um das Kniegelenk und nicht im Bereich der eigentlich problematischen Region verspürt.

Insbesondere bei sportlich sehr aktiven Patienten sind oft sportartspezifische Überlastungssyndrome verantwortlich für einen vorderen Knieschmerz. Typische „Kniegelenks-interne“ Ursachen für Schmerzen um das Kniescheibengelenk sind Knorpelschäden, mangelhafte Zentrierung der Kniescheibe im Gleitlager oder Vernarbungen nach Operationen.

Behandlung von Schmerzsyndromen um die Kniescheibe

Eine genaue Analyse mit klinischer Untersuchung und gegebenenfalls Auswertung von Röntgen- und MRT Bildern ist zum Erstellen eines individuellen Therapiekonzeptes von entscheidender Bedeutung, zumal auch gleichzeitig mehrere verschiedene Ursachen für Beschwerden im Bereich des Kniescheibengelenkes vorliegen können. Die Behandlung erfolgt in der Regel konservativ und richtet sich nach der Ursache. Im Fall von sportspezifischen Überlastungssyndromen ist vor allem eine Reduktion oder zumindest Modifikation der sportlichen Tätigkeit notwendig. Bei Beschwerdefreiheit darf wieder mit einem kontrollierten Belastungsaufbau begonnen werden.

Muskuläre Defizite, Mobilitäts- und Stabilitätsdefizite von beteiligten Gelenken können mittels genauer körperlicher Untersuchung unter Einbeziehung spezieller Testverfahren von spezialisierten Physiotherapeuten erkannt und behandelt werden.

Ergänzend hat sich bei Sehnenansatzerkrankungen insbesondere die extrakorporale Stoßwellentherapie als hocheffektiv erwiesen. Auch spezielle Bandagen und Tape-Techniken wie Kinesiotaping können die Kniescheibenführung positiv beeinflussen und reizmindernd wirken.